Faszination Weide

Synergia – wie alles begann

Am Anfang stand bei uns die Faszination der Weidenpflanze: Die Pflanze, welche (fast) überall gedeiht, die Pflanze mit ihren wunderbaren Kätzchen im Frühjahr, die Tatsache, dass es weibliche und männliche Weiden gibt, die knorrigen Kopfweiden, welche Lebensraum von Insekten, Vögeln und Kleinsäugern bieten, die langen, biegsamen Ruten, welche zum Flechten einladen…. .

Diese Dotterweide (s. vitellina)  wird jeden Winter geschnitten und die Ruten fürs Korben verwendet. Sie ist ungefähr einen Meter hoch, hat einen Stammdurchmesser von 15 cm und einen Kopfdurchmesser von 30 cm. Sie wurde vor 8 Jahren als Steckling gepflanzt. Das Bild entstand im Mai.

Schon bald begannen wir, verschiedene Weidenarten ums Haus herum zu pflanzen. Dabei erkannten wir, dass verschiedene Weiden zu unterschiedlichen Zeiten blühen, die Zeitdauer umfasst mehrere Monate. Unsere Bienen dankten uns das reiche  Nahrungsangebot mit kräftigem Völkerwuchs. Der enge Zusammenhang zwischen Bienen und Weidenpflanzen ist offensichtlich.

Als Zaunpfähle sind hier  Weidenhölzer verwendet worden, im Bild Reifweide (s.daphnoides).Im Frühjahr bieten sie Nahrung für die Bienen, im Sommer Schatten für das Vieh.  Zusätzlich sind sie über Jahrzehnte haltbar, länger als jeder gekaufte Pfahl.

Geschnittene Weiden finden Verwendung als Zaun oder als Stecklinge, um Hänge oder Bachufer zu sichern. Oft schneiden Gemeinden Weiden an ihren Bächen und verwenden sie an zu sichernden Ufern. Damit findet aber nur eine einzige Weidenart Verbreitung. Für die Vielfalt der Natur wäre es sinnvoller, verschiedene Weidenarten zu verwenden.

Um ebenes Land zu gewinnen und zu sichern, wurden von verschiedenen Weidenarten Stecklinge gewonnen und zu diesem lebenden Zaun verarbeitet.

Soziale Institutionen sind oft auf der Suche nach sinnstiftenden Arbeiten. In freier Natur einen Weidenlehrpfad zu unterhalten, die Weiden zu schneiden, aufzubereiten, zu sortieren und dann zu verkorben, bietet solche Tätigkeitsfelder.

Die verschiedenen natürlichen Farben der Weiden kommen schön zur Geltung.       Weidenruten können auch geschält und dann so verkorbt werden. Der Phantasie sind beim Korbflechten fast keine Grenzen gesetzt.

Naturfreunde, Bienenhalter, Korbflechter, Gemeinden und Soziale Institutionen arbeiten oft für sich und bauen sich ihre eigenen Netzwerke auf. Ein Weidenlehrpfad bietet die einzigartige Möglichkeit, all diese Netzwerke miteinander zu verknüpfen und Synergien sowie Ressourcen gegenseitig zu nutzen. Daraus resultieren Gewinne für alle.

Synergia Weidengarten hat als Ziel, an möglichst vielen Orten  in der Schweiz Weidenlehrpfade zu errichten und  mit unserem angesammelten Wissen und Können deren Nutzung zu fördern.

5 Gedanken zu “Faszination Weide

  1. Ich betreue in Giswil einen Waldlehrpfad mit ca. 70 Sträucher und Baumarten. Davon eine Reihe Weiden.
    Silberweide Salix alba
    Salweide Salix caprea
    Reifweide Salix daphnoides
    Lavendelweide/Ufer Salix eleagnos
    Lorbeerweide Salix pentandra
    Purpurweide Salix purpurea
    Salweide x Korbweide Salix smithiana
    Korbweide Salix viminalis
    Da der Waldlehrpfad am Ufer eines Flusses ist und zur Befestigung der Böschung Weiden eingesetzt wurden möchte ich noch mehr über diese Pflanzen lernen. Vorallem die Bestimmungen im Detail ist nicht immer einfach. Auch könnte ich noch mehrere Arten anpflanzen und beschriften. Nebenbei bin ich auch noch Imker.
    Während des letzten Weltkrieges wurden in Giswil über 1 ha Weiden als Kultur angepflanzt. Ob es sich um Salix viminalis gehandelt hat weiss niemand mehr. Die Weiden seien aber bald recht krank und nicht ertragreich gewesen.
    Gibt es gute Hilfen für die Weidenbestimmung??
    MIt besten Grüssen
    Erwin Müller

    • Rubishus, 3. September 2012

      Sehr geehrter Herr Müller
      Vielen Dank für Ihren Beitrag und Ihr Interesse an Weiden.
      Sie schreiben, dass Sie einen Waldweg betreuen, wo es auch einige Weiden hat und allenfalls weitere Arten pflanzen möchten. Sie sprechen die Schwierigkeiten beim Bestimmen an. Da kann ich Ihnen nur beipflichten. Die meines Erachtens hilfreichsten Bücher sind Lautenschlager, Die Weiden Mittel- und Nordeuropas, Birkhäuser, 2001 und Hintermeier, Die Weide, Baum für Mensch und Tier, Selbstverlag, 2009.
      Eine weitere Möglichkeit: Für eine Institution fotografieren wir 2012 mehrmals pro Jahr die dortigen Weiden und senden die Bilder an einen botanischen Garten. Dort werden sie bei guter Qualität der Bilder botanisch bestimmt.
      Die Weiden, welche in den hiesigen Baumschulen erhältlich sind, sind nämlich meinen Nachforschungen zufolge nicht immer garantiert botanisch bestimmt. Ich selber bin kein Botaniker und kann keine Garantie beim Bestimmen abgeben. Wir selber sind deshalb nach Deutschland gefahren, um aus jenem botanischen Garten Stecklinge zu besorgen. Auf Anfrage können wir jeweils im Frühjahr Stecklinge davon abgeben.
      Interessant ist die von Ihnen angesprochene Weidenplantage bei Ihnen, welche etwa 60 Jahre alt ist und viele kranke Pflanzen aufweist. Weiden werden nicht sehr alt und somit wäre der Zerfall erklärbar. Da Weiden sich über Stecklinge und auch über Samen vermehren, müssten aber auch einige Jungpflanzen vorhanden sein. Wissen Sie, wem die Plantage gehört und ob sie sich allenfalls erneuern und reichhaltiger machen liesse?
      Zuletzt tönen Sie Ihr Interesse an Weiden als Imker an. Wenn Sie uns die Blütezeit einiger Weidenarten bei Ihnen und den verfügbare Platz nennen, sind wir gerne bereit, mit Ihnen einen für Ihre Verhältnisse geeigneten Pflanzplan zu erstellen und die nötigen Stecklinge zu liefern.
      Bei Bedarf geben wir Ihnen gerne weitere Informationen, auch telefonisch.

      Mit freundlichem Gruss
      namens der AG Synergia
      Christoph Jakob-Lüthy

  2. Die Weidenpflanzung wurde ca. 1942 angepflanzt und kurz nach dem Krieg wieder vollständig gerodet. Darum gibt es nur noch wenige Leute die davon wissen.
    Besten Dank für Ihre Informationen. Mit freundlichen Grüssen
    Erwin Müller